Berliner Kolonialausstellung

Die Berliner Kolonialausstellung fand im Rahmen der Berliner Gewerbeausstellung vom 1. Mai bis zum 15. Oktober 1896 im Treptower Park in Berlin statt. Im Mittelpunkt der Kolonialausstellung stand eine Völkerschau mit 106 zur Schau gestellten Menschen in fünf am Karpfenteich gruppierten „Eingeborenendörfern“. Drei Männer starben im Verlauf der Ausstellung an Krankheiten. Außerdem wurden in sechs Ausstellungshallen verschiedene wirtschaftliche, wissenschaftliche und kulturelle Aspekte der Kolonien präsentiert, um für die seit 1884 gegründeten deutschen Kolonien zu werben.
Die Berliner Kolonialausstellung war die erste und einzige großangelegte Kolonialausstellung in der Zeit des Kaiserreiches, bei der indigene Menschen aus den deutschen Kolonien ins Deutsche Reich geholt wurden. In direkter Nachbarschaft zur Kolonialausstellung fanden zeitgleich zwei weitere Völkerschauen statt: die Kairo-Ausstellung, eine weit größere Völkerschau mit etwa 400 zur Schau gestellten Arabern, sowie das Eismeer-Panorama von Carl Hagenbeck, in dem drei Inuit zur Schau gestellt wurden.
Kolonialausstellungen
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Auf der Weltausstellung 1883 in Amsterdam waren erstmals indigene Menschen aus Kolonien zur Schau gestellt worden, um gezielt Propaganda für Kolonialpolitik zu betreiben. Sechs Jahre später stellte die Pariser Weltausstellung mehrere „Eingeborenendörfer“ mit etwa 300 indigenen Menschen aus, um ein „vermeintliches Eintauchen in eine fremde Welt mit allen fünf Sinnen“ zu ermöglichen.[2.1] Im Deutschen Reich war die Berliner Kolonialausstellung 1896 nach zwei kleineren Kolonialausstellungen in Bremen (1890) und Lübeck (1895)[3.1] die erste große solcher Ausstellung, auf die bis 1940 noch etwa 50 größere und kleine Werbeausstellungen für die Kolonien folgten.[4.1] Zweck solcher Ausstellungen war, das in der deutschen Bevölkerung oft schlechte Ansehen der Kolonien zu verbessern und das Engagement der privaten Wirtschaft in den Kolonien sowie die Bevölkerung zum Kauf von Kolonialwaren anzuregen.[4.2] Außerdem wollte sich das Deutsche Reich als eine im internationalen Vergleich ebenbürtige Kolonialmacht präsentieren.[5.1] Indigene Menschen wurden bei den deutschen Kolonialausstellungen nur selten zur Schau gestellt. Nach dem im Jahr 1900 erlassenen Verbot, Personen aus den deutschen Kolonien für Völkerschauen (siehe unten) zu engagieren, fanden nur noch drei Kolonialausstellungen statt, bei denen indigene Menschen zur Schau gestellt wurden: die Berliner Deutsche Armee-, Marine- und Kolonial-Ausstellung 1907 (mit indigenen Menschen aus französischen und britischen Kolonien), die Kolonialausstellung 1928 in Stuttgart sowie die Deutsche Afrika-Schau in der Zeit des Nationalsozialismus.
Planungen und Eröffnung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Initiative zur Planung einer Kolonialausstellung im Rahmen der Berliner Gewerbeausstellung, die in der Forschung auch als „verhinderte Weltausstellung“[6.1] gilt, ging von einigen im Kolonialhandel tätigen Exportfirmen aus, während die Deutsche Kolonialgesellschaft und die Kolonialabteilung des Auswärtigen Amtes dem Vorhaben zunächst „sehr kühl“ gegenüberstanden.[1.2] Die Handelsfirmen verfolgten vor allem das Ziel, dass die „deutschen Steuerzahler“ als „Konsumenten […] für die Unterstützung der Kolonialgebiete gewonnen werden sollten“.[7.1] Unterstützung erhielten sie im November 1894 vom gerade ernannten Reichskanzler Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingsfürst, der per Runderlass an die Gouverneure in den Kolonien die Möglichkeiten zur Anwerbung von „Eingeborenen der Schutzgebiete“ prüfen ließ.[8.1] Dreißig Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung schlossen sich anschließend im Februar 1895 im „Vorstand der Deutschen Kolonialausstellung“ zusammen und legten unter anderem eine „Vorführung von Eingebornen“ als wesentlichen Bestandteil der Kolonialausstellung fest, denn – zu lesen im offiziellen „Amtlichen Bericht“ zur Kolonialausstellung von 1897 – „tote Sammlungen allein“ seien „nie im stande, die grosse Masse des Volkes […] heranzuziehen“.[1.2] Besonders dieser Punkt wurde offenbar kontrovers diskutiert und stieß in Teilen der Deutschen Kolonialgesellschaft auf
„scharfen Widerspruch, weil man für die Eingeborenen grosse Gefahren befürchtete und im Hinblick auf die bisher an anderen Stellen üblich gewesene Vorführung von Eingeborenen nicht erwartete, dass diese im stande sein würden, das koloniale Interesse zu fördern. Der Vorstand der Kolonial-Ausstellung glaubte dagegen, die früher oft eingetretenen Gefahren für die Eingeborenen vermeiden zu können und durch eine besondere Art der Vorführung das Interesse für unsere Schutzbefohlenen zu erwecken, uns menschlich näher zu bringen und so den üblen Eindruck, welcher die u. a. in den zoologischen Gärten stattgehabten Vorführungen in manchen Kreisen zweifellos hervorgerufen hatten, zu verwischen.“[1.2]
Die Abgrenzung von den seit 1875 populären kommerziellen Völkerschauen hatte zur Folge, dass die Organisatoren auf eine vertraglich geregelte Anwerbung und bessere Unterbringung, Verpflegung, medizinische Versorgung und Entlohnung als bei bisherigen Völkerschauen achteten, bei denen es häufiger auch schon zu Todesfällen gekommen war.[9.1]
Im anschließend eingesetzten, für die konkrete Umsetzung der Ausstellung zuständigen „Arbeitsausschuss der Deutschen Kolonialausstellung“ gehörten neben Vertretern aus der Wirtschaft auch der Präsident der 1887 gegründeten Deutschen Kolonialgesellschaft Johann Albrecht von Mecklenburg-Schwerin, der Direktor des Auswärtigen Amts Paul Kayser sowie der ehemalige Leiter der dortigen Kolonialabteilung Prinz Franz von Arenberg an.[5.1] Der Ausschuss wollte durch die Kolonialausstellung „der Welt zeigen, dass Deutschland seinen Beruf zur Kolonialpolitik voll begriffen“ habe.[9.2]
Die Ausstellung wurde am 1. Mai 1896 eröffnet. An diesem Tag besuchte Kaiser Wilhelm II. zusammen mit Kaiserin Auguste Viktoria die gesamte Gewerbeausstellung. Beim einstündigen Aufenthalt in der Kolonialausstellung wurden ihnen u. a. Kriegstänze in den „Eingeborenendörfern“ vorgeführt.[3.2] Am Ende soll Wilhelm II. geäußert haben: „Zur Kolonial-Ausstellung können sich die Herren gratuliren, sie wird eine Hauptzugkraft werden“.[10.1]
Ausstellungsgelände
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Das 60.000 m² große Ausstellungsgelände der Kolonialausstellung war ein Teil der 900.000 m² großen Berliner Gewerbeausstellung, die sich über den ganzen Treptower Park erstreckte. Schwerpunkte der Ausstellung waren erstens die Rekonstruktion sogenannter „Eingeborenendörfer“ im „ethnologischen Teil“ und zweitens ein im Stile einer „Sansibar-Stadt“ errichteter „wissenschaftlich-kommerziellen Teil“[7.1] mit sechs Ausstellungshallen, in denen Exponate aus den Kolonien, Exportgüter für die Kolonien sowie Rohstoffe und Importwaren aus den Kolonien gezeigt wurden. Von den über 300 Ausstellern waren 271 exportorientierte Firmen.[5.1]

Während die „Eingeborenendörfer“ am Karpfenteich die „Naturverbundenheit“ und vermeintliche Primitivität der zur Schau gestellten Menschen unterstreichen sollten, drückte die um einen künstlichen ovalen See angelegten Ausstellungshallen im Kolonialstil im zweiten, jenseits der Parkstraße gelegenen Teil die vermeintliche Überlegenheit der Kolonialherren aus.[11.1] Die scharfe Abgrenzung von „Eingeborenen-“ oder damals sogenannten „Negerdörfern“ auf der einen und einem Stadtteil der „Kolonialherren“ auf der anderen Seite findet eine Entsprechung in der Aufteilung der meisten damaligen Städte in den Kolonien.[12.1] Am Übergang zwischen beiden Ausstellungsteilen weist der Ausstellungsplan als eine Art „cordon sanitaire“[12.2] drei „hygienische Baracken“ aus, in denen eine Ausstellung zur „Tropenhygiene“ des Auswärtigen Amtes untergebracht waren – samt Tropenapotheke, einem Labor und einem „Tropenlazarett des Deutschen Frauenvereins für Krankenpflege“ mit Operationssaal.[13]
Ein Jahr nach der Ausstellung veröffentlichte der „Arbeitsausschuss der Deutschen Kolonialausstellung“ den 486 Seiten starken „Amtlichen Bericht über die Erste Deutsche Kolonial-Ausstellung“, dem die meisten der folgenden Fotografien der sogenannten „Eingeborenendörfern“ – sämtlich ohne Ausstellungsbesucher – angefertigt von der Firma Meisenbach, Riffarth & Co. mit den dortigen Bildunterschriften entnommen sind. Das Foto der „Neu-Guinea-Hütten“ aus einer anderen Fotodokumentation ist das einzige, auf dem auch Besucher in „Eingeborenendörfern“ zu sehen sind.[14]
- „Ethnologischer Teil“ der Kolonialausstellung (1)
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„Eingang zur Kolonial-Ausstellung“[15]
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„Die Buschfaktorei“
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„Häusliche Arbeit (Togo)“
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„Hütten aus dem Bismarck-Archipel“
Das dem Baustil Neuguineas nachempfundene Eingangstor befand sich südwestlich des Karpfenteichs. Von dort gelangten die Besucher zuerst zu einer „Buschfaktorei“ und anschließend zuerst durch das „Kamerundorf“, das „Togodorf“, der „Häuser aus dem Bismarck-Archipel“ bis zum am Karpfenteich gelegenen „Dorf Tarawai“. Die indigenen Dorfbewohner aus Neu-Guinea fuhren von dort mit ihren bis zu 25 m langen Booten über den Karpfenteich. In den Hütten der Dörfer hingen unter anderem Porträts des Kaisers und (bei den missionierten Darstellern) christliche Heiligenbilder.[2.2] Gegenüber des Dorfes wurde eine Rekonstruktion der Festung „Quikuru qua Sike“ der Wanjamwesi errichtet, einer Bantu-Volksgruppe, in der diese Widerstand gegen Deutsche Schutztruppen geleistet hatten. Die Berliner Illustrirte Zeitung bemerkte, dass die Rekonstruktion ein „selbst für europäische Verhältnisse nicht zu verachtende[s] Bollwerk“ gewesen sei.[16.1] Im Innern der Festung befanden sich eine „Araber-Tembe“, die „Hütten der Hottentotten und Herero“, ein „Suahelihaus“ und die „Massaiwohnstätten“.[9.1]
- „Ethnologischer Teil“ der Kolonialausstellung (2)
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„Neu-Guinea-Hütten“ – Besucher der Ausstellung[14]
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„Das Quikuru“[15]
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„Massai, auf dem Kochplatz Fleisch röstend“
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„Bao spielende Suaheli (an der Arabertembe)“
Jenseits der Parkstraße bildeten sechs Ausstellungshallen den zweiten Komplex der Kolonialausstellung. Eine moscheeähnliche „Wissenschaftliche Halle“ zeigte Exponate aus den Bereichen Biologie, Geographie und Ethnologie. In den anderen Hallen warben die zahlreichen Exportfirmen für ihre Kolonialwaren, darunter auch Lebensmittel wie Kaffee, Bananen, Schokolade oder Erdnussöl, die damals noch als Luxusgüter galten und einem breiten Publikum bekannt gemacht werden sollten. Andere Handelsfirmen zeigten unterschiedliche Produkte wie beispielsweise Textilien, Möbel, Haushaltsgeräte, Elfenbein oder Tabakwaren.[16.2] Unter den Ausstellern waren auch Reedereien und Missionsgesellschaften.[8.2] In einer eigenen Halle wurde eine große Büste des aufgrund seiner brutalen Ausübung des Amts des Gouverneurs von Deutsch-Ostafrika heute kritisch beurteilten Hermann von Wissmann eingerahmt von zwei Elefantenstoßzähnen aufgestellt. Die umgebenden Jagdtrophäen sollten laut der Historikerin Jennifer Kopf die „vernichtende Macht kolonialer Streitkräfte“ zum Ausdruck bringen.[11.2] Im südlichen Teil dieses Ausstellungsbereichs wurde ein 400 m langer Streckenabschnitt der für den Bau in den Kolonien vorgesehenen Tropenbahn errichtet,[1.1] Vor den Hallen fanden größere Veranstaltungen wie Schaukämpfe statt.[5.2]
- „Wissenschaftlich-kommerzieller Teil“ der Kolonialausstellung
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„Eine Vorstellung (Tanz der Suaheli)“[15]
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„Das Tropenhaus“
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„Die wissenschaftliche Halle“
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Büste von Hermann von Wissmann in der Ausstellungshalle[17]
Eintrittspreise, Gesamtkosten und Besucherzahlen
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Der Eintrittspreis zur Kolonialausstellung betrug 50 Pfennig und mit Ermäßigung 30 Pfennig. Auf Einwirken des Kaisers konnten Schulkinder die Ausstellung in den letzten zwei Monaten kostenlos besuchen.[3.3] An den meist mittwochs stattfindenden „Elitetagen“ mit einem tagesfüllenden Programm unter anderem mit Schaukämpfen und Tänzen, kostete der Eintritt 1,50 RM.[8.3] Insgesamt machte die Ausstellung bei Ausgaben von 645.678,15 RM und Einnahmen 714.996,94 RM einen Gewinn von knapp 60.000 RM. Einen Teil der Ausgaben wurde vom Auswärtigen Amt getragen.[2.3]
Laut des Amtlichen Berichts soll die Ausstellung im Mai 213.297, im Juni 252.255, im Juli 327.780, im August 361.645, im September 511.071 und schließlich im August noch 362.157 Besucher gezählt haben, was einer Gesamtzahl von 2.028.215 entspricht.[1.4] Die benachbarte Kairo-Ausstellung zählte bis Ende Oktober ebenfalls über zwei Millionen Besucher.[19] Die Kairo-Ausstellung war laut eines Zeitungsberichts vom 12. Mai allerdings anfangs deutlich beliebter: dort wurden in den ersten zehn Tagen der Ausstellung etwa 44.000 reguläre Eintrittskarten verkauft, während es bei der Kolonialausstellung nur 25.000 gewesen seien.[20] Ob die im „Amtlichen Bericht“ angegebenen Zahlen also tatsächlich zutreffend sind, scheint auch aufgrund der Gesamteinnahmen aus den Eintrittsgeldern von 545.767,36 RM fragwürdig.[1.4]
Zur Schau gestellte Personen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Bei den 106 zur Schau gestellten Personen[21] handelte sich um 22 Frauen, 67 Männer sowie 3 Mädchen und 14 Jungen unter 14 Jahren. Die Angeworbenen waren etwa zur Hälfte christlich getauft. Einige waren europäisch sozialisiert und sprachen entweder Deutsch oder Englisch.[16.1] Nach Zugehörigkeit zu den Kolonien kamen
- 20 Personen aus der Kolonie Kamerun, darunter 16 Duala und 4 Batanga. Unter den Duala aus der Küstenstadt Douala waren zwei Ehepaare. Die Batanga stammten aus der weiter südlich gelegenen Küstenstadt Kribi.[22.1]
- 26 Togoer aus der Kolonie Togo. Unter Leitung von John Calvert Nayo Bruce und seinem fließend Deutsch sprechenden Neffen Samuel Kuevi Garber kamen elf Frauen und 16 Männer nach Berlin.[22.1]
- 8 aus der Kolonie Deutsch-Neuguinea. Die von Richard Parkinson angeworbenen Tolai[2.2] reisten Anfang März 1896 unter Leitung von ToKinkin, einem lokalen Herrscher, mit seinem Sohn ToPalankrat und sechs weiteren Männern nach Berlin.[22.1]
- 43 aus der Kolonie Deutsch-Ostafrika, darunter 23 Swahili, 17 Massai, zwei Makonde und ein Wayao. Die größte Gruppe war am 9. März 1896 in Daressalam aufgebrochen und erreichte Berlin am 20. April. Die Massai stammten aus Moshi am Kilimandscharo , die Swahili (auch Waswahili) von der Küste, die beiden Makonde-Männer und der Wayao schließlich aus Bunyoro im heutigen Uganda.[22.1]
- 9 aus der Kolonie Deutsch-Südwestafrika, darunter 5 Hereros (oder Ovahehero) und 4 Khoikhoi. Die Gruppe erreichte Berlin erst am 15. Juli und verstand sich ausdrücklich als politische Delegation. Die Herero wurden von Friedrich Maharero angeführt, die Khoikhoi von Petrus Jod, einem Vertrauten von Hendrik Witbooi.[22.1] Weil sich die christlich getauften Männer weigerten, irgendwelche heidnischen Dinge aufzuführen, kleideten sie sich bewusst europäisch und führten auch nur Umzüge mit Planwagen auf.[2.4]
Die einzelnen Gruppen wurden in jeweils separierten Dorfkulissen ausgestellt. Der amerikanische Soziologe George Steinmetz sieht in der heterogenen Zusammensetzung und der bewussten Trennung der in Berlin zur Schau gestellten Personen eine Entsprechung zur damaligen deutschen „Eingeborenenpolitik“, die darauf abgezielt habe, die Menschen in den Kolonien in immer spezifischere Gruppen und Kategorien zu unterteilen, um sie möglichst klar voneinander abzugrenzen und somit ihre Widerstandskräfte zu minimieren.[12.3]
Aufgrund des verregneten und kühlen Sommers – es regnete an 120 der 168 Ausstellungstage[23.1] – erkrankten zahlreiche Darsteller vor allem an Lungenkrankheiten.[16.1] Einige waren bereits auf der Reise nach Berlin schwer erkrankt.[8.4] Im „Amtlichen Bericht über die Erste Deutsche Kolonial-Ausstellung“ finden sich drei Todesfälle aus der Charité dokumentiert, wohin die erkrankten Völkerschau-Darsteller gebracht wurden. In der Nacht vom 29. auf den 30. Juli verstarb der Suaheli Salim an den Folgen einer Gehirnhautentzündung, in der Nacht vom 5. auf den 6. August der Suaheli Yuma an den Folgen einer Lungenentzündung und am 7. August der Kameruner Sonntag ebenfalls an einer Lungenentzündung.[1.5] Laut einer Pressemeldung sei er acht Tage zuvor bei einer Prügelei in den Karpfenteich gefallen und soll sich dort „den Todeskeim geholt“ habe.[24] Im Juni hatten Felix von Luschan, der Anatom Wilhelm von Waldeyer-Hartz und der Leiter der Kolonialausstellung Hans Werner von Schweinitz vereinbart, die Leichen von während der Ausstellung Verstorbener im Anatomischen Institut zu sezieren und die Skelette dem Museum für Völkerkunde zu überlassen. So wurden bei den Begräbnissen der drei verstorbenen Personen vermutlich „nahezu leere Särge“ beigesetzt. Über die Beerdigungen wurde in der Presse ausführlich berichtet.[22.2]
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John Calvert Nayo Bruce (Bildmitte), 2. v. r.: sein dreijähriger Sohn Kwassi Bruce
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Kwelle Ndumbe (Bismarck Bell)[25]
Unter den 106 Personen der Völkerschau finden sich mehrere bekannte Persönlichkeiten:
- John Calvert Nayo Bruce (1859–1919) war der Organisator des „Togo-Dorfs“. Er gab während der Kolonialausstellung der Kölnischen Zeitung ein ausführliches Interview – laut Rea Brändle „sicher das respektvollste Gespräch, das jemals mit einem Völkerschau-Teilnehmer öffentlich geführt wurde“.[26] Bruce kehrte nach der Berliner Kolonialausstellung noch einmal ein knappes Jahr nach Togo zurück, um eine Völkerschau-Tournee durch Europa zu organisieren. Diese Tournee dauerte von 1898 bis zu seinem Tod 1919.

- Kwelle Ndumbe (auch „Bismarck Bell“ genannt) war der Sohn von König Ndumbe Lobes, auch King Bell genannt, einem bedeutenden Führer der Duala.[9.3] Er brachte seinen Protest gegen die Völkerschau zum Ausdruck, indem er mit einem Opernglas die Zuschauer beobachtete und damit ihren Voyeurismus kritisieren wollte.[16.1] Auf Bells Opernglas bezieht sich auch der Titel der Ausstellung „zurückgeschaut | looking back - Die Erste Deutsche Kolonialausstellung von 1896 in Berlin-Treptow“.[28] Außerdem weigerte er sich die Kleidung seines Landes anlässlich eines Fototermins zu tragen und ließ sich stattdessen nur in europäischer Kleidung abbilden.[29]
- Friedrich Maharero, der älteste Sohn von Samuel Maharero, einem Führer der Herero, war 22 Jahre alt, als er 1896 in Berlin ankam. Er wollte sich über Deutschland informieren und diplomatische Verbindungen aufbauen. Bernhard von Bülow, der spätere Reichskanzler, vermittelte eine Audienz bei Kaiser Wilhelm II., die am 19. September stattfand.[30]
- Martin Dibobe blieb nach der Kolonialausstellung in Berlin und war später von 1906 bis 1919 Zugführer der U-Bahn Linie 1 und setzte sich für die Rechte von Kamerunern in Berlin ein.[16.3]
Anwerbung, Versorgung und Entlohnung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Mit den zur Schau gestellten Personen wurden bei der Anwerbung in den Kolonien vertragliche Regelungen über die jeweils mehrere Wochen dauernde Hin- und Rückreise, über Kleidung, Essen und Unterkünfte sowie zur Entlohnung vereinbart. Im Gegenzug verpflichteten sie sich, in ihrer traditionellen Bekleidung aufzutreten und ihr Alltagsleben vorzuspielen sowie Tänze und Gesänge aufzuführen.[5.2] Vielen der Darsteller war vor ihrer Abreise allerdings nicht bewusst, unter welchen Bedingungen sie in Berlin vor Publikum „ausgestellt“ werden sollten.[28] Der Tagesablauf war durch einen „Dienstplan“ streng geregelt. Die Darsteller mussten um 6 Uhr aufstehen, hatten eine Stunde Mittagspause und durften erst um 22 Uhr schlafen gehen.
Die zur Schau gestellten Personen wurden nach ihrer Ankunft geimpft und ihr Gesundheitszustand durch fortwährende ärztliche Kontrollen überwacht.[2.2] Aufgrund der „Ruppigkeit dieser Prozedur“ haben sich im Laufe der Ausstellung viele der Darsteller dieser Kontrollen entzogen.[16.3] Nach dem Tod der drei Darsteller drohte die amtsärztliche Abteilung des Landratsamtes aufgrund dieser Weigerungen mit der vorzeitigen Schließung der Kolonialausstellung.[8.4]
Laut der Historikerin Anne Dreesbach hätten die Veranstalter insgesamt „sehr genau“ darauf geachtet, dass „ihnen bei der Unterbringung und Versorgung der zur Schau gestellten Menschen keine Fehler unterliefen“.[9.1] Die Darsteller wurden mit ihnen bekannten Lebensmitteln versorgt und bekochten sich selbst. Ihre Unterkünfte befanden sich in fensterlosen, beheizbaren Schlafbaracken im Nachbau des Quikuru und waren für die Öffentlichkeit nicht zugänglich.[4.3] Die Völkerschau-Darsteller durften das Gelände nach Schließung der Ausstellung in der Regel nicht verlassen.[31]
Aus den Verträgen der Togo-Gruppe ist die Entlohnung überliefert. Nayo Bruce in der Rolle des „Häuptlings“ erhielt 100 RM monatlich, andere männliche Darsteller, die ein Handwerk demonstrierten, 40 RM, „Krieger, die Fetischtänzer und die Frauen“ 20 RM.[9.4] Eine 15-jährige Swahili erhielt überhaupt keinen Lohn, weil sie ihren Loskauf aus der Versklavung abzahlen musste.[22.1] Laut des Amtlichen Berichts hätten die Ausgaben für die Eingeborenen insgesamt 107.336,41 RM betragen.[1.4]
Während ihres Aufenthaltes organisierte der Arbeitsausschuss der Kolonialausstellung ein Besichtigungsprogramm, angeblich um „den Eingeborenen das Leben so angenehm wie möglich zu machen und ihnen auch von der europäischen Kultur einen möglichst hohen Begriff beizubringen“. Sie besuchten nicht nur die anderen Teile der Gewerbeausstellung, sondern besuchten neben anderen Sehenswürdigkeiten den Berliner Zoo, Theatervorstellungen und auch Militärparaden.[1.6]
Inszenierung und Wahrnehmung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In den „Eingeborenendörfern“ sollten die zur Schau gestellten Menschen ihren vermeintlichen alltäglichen Verrichtungen nachgehen. Bei den Anwerbungen wurde darauf geachtet, dass möglichst viele verschiedene Handwerkstypen nach Berlin geholt wurden, damit vielfältige handwerkliche Tätigkeiten gezeigt werden konnten.[16.1] Neben der Verrichtung von Handwerks- und Alltagsarbeiten wie „Schmieden, Weben, Hut- und Mattenflechten, Wäsche waschen, Netze knüpfen und ausbessern, Boote reinigen und Ausbessern, dem Schlachten von Tieren und Vorbereiten der Mittagsmahlzeit“[23.1] wollten die Veranstalter durch zusätzliche Aktivitäten jeden Eindruck von „Faulheit“ vermeiden,[12.3] dazu zählten „zahlreiche Musik- und Tanzdarbietungen, aber auch Boots- und Planwagenfahrten, Speerwerfen, Waffenübungen und Demonstrationen der Kameruner Trommelsprache“.[23.2] Laut der Historikerin Britta Lange sollten bei den mehrmals täglich stattfindenden Aufführungen „die als ‚primitiv‘ abqualifizierten Menschen europäische Fantasien von afrikanischer Kriegsführung oder Ritualen aus der Südsee darstellen“.[6.2] Bei den Aufführungen spielten militärische Übungen eine wichtige Rolle, wobei beispielsweise der Präsident der Kolonialgesellschaft Johann Albrecht von Mecklenburg einer Gruppe der Duala militärische Anweisungen gab, und diese dann einen Schaukampf aufführten.[9.5] Außerdem gab es eine Aufführung, bei der die Herero einen Planwagen mit deutschen Siedlern, darunter Frauen und Kinder, rfolgreich vor einem vermeintlichen Angriff der als „edle Wilde“ wahrgenommenen Massai-Krieger verteidigten.[23.3]
Im „Officiellen Führer“ zur Kolonialausstellung wurden die zur Schau gestellten Personen teils positiv, teils aber auch abschätzig beschrieben. Während bei den Togoern die „größte Sauberkeit“ hervorgehoben wurde, unterstellte der Katalog den Dualas, sie hätten bis zur ihrer Missionierung die „Sitte des Menschenopfers“ durchgeführt. Die Suahelis werden als „guthmütig, naiv, der Typus eines grossen, ungezogenen Kindes, unzuverlässig, lügnerisch“ charakterisiert. Die Herero seien „geizig, bettelhaft, hochmüthig und diebisch“, und über die „Hottentotten“ genannten Khoikhoi gab der Katalog an, sie seien „treulos, wankelmüthig, aufgeblasen, ein grosser Liebhaber des Branntweins, welcher hier gerade verheerend wirkt. Der Hottentotte erkennt rückhaltlos an, dass ihn der Branntwein moralisch und ökonomisch ruinirt hat, kann aber von dem Gift nicht lassen“.[32]
Wissenschaftliche Untersuchungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Felix von Luschan veröffentlichte 1897 in der „Erweiterten Sonderausgabe aus dem Amtlichen Bericht über die erste deutsche Kolonial-Ausstellung in Treptow“ eine genaue Beschreibung der meisten der zur Schau gestellten Personen[33.1] und zahlreiche Bildtafeln mit gepaarten Portrait- und Profilfotografien der zur Schau gestellten Personen. Diese im Rahmen von Luschans Forschungen entstandenen und als Mugshots anmutenden Fotos werden in der Forschung insofern kritisch beurteilt, als sie als ein Ausdruck „von Fotografie als kolonialrassistischer Herrschaftspraxis“ gelten.[29] Allerdings wehrten sich laut Felix von Luschan einige Personen gegen das Fotografieren und die Vermessungen.[4.4] Er beschrieb die Personen teils äußert abschätzig, wenn er beispielsweise August Ewande als „dummdreister Bursche, der richtige Hosen-Nigger!“ oder Bismarck Bell als ein „ganz köstliches Original und eine unvergleichliche Mischung von Idiot und ‚Hosennigger‘“ bezeichnet.[33.2]
Zeitgenössische Rezeption
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Positive Berichterstattung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In der Presseberichterstattung wurde meist positiv über die Kolonialausstellung berichtet. Insbesondere die vermeintlich gelungene Inszenierung der „Eingeborenendörfer“ wurde hervorgehoben, wie beispielsweise in diesem Artikel der Harburger Anzeigen und Nachrichten von Ende Juni 1896, der zugleich verschiedene Stereotype reproduziert:
„Das Ganze wird auch bevölkert von Schaaren unserer schwarzen Landsleute, die in fröhlichem Tummeln und Treiben die ferne Heimath schon längst nicht mehr entbehren. Da sehen wir die braunen Suahelis, die kriegerischen Massais, die gelenkigen Kameruner und die gemüthlichen Togoleute, da stolzirt Bismarck Bell einher, der Sohn des bekannten King Bell, da jagen die frischen Batangas auf pfeilschnellen Kanus durch die glitzernden Wogen des Sees und produciren sich in den unglaublichsten Kunststücken, da endlich rühren sich geschäftig die bärtigen Australneger vor ihren abenteuerlich aufgeführten und grotesk bemalten Pfahlbauten. Und durch all dies naturwüchsige, frischpulsirende Leben wogt ein hochinteressirtes Publikum, nimmer müde, all' das Neue anzustaunen, das sich dem Ange bietet, und das uns die Kulturverhältnisse unserer dunklen Landsleute, ihre Sitten, Gebräuche und häuslichen Beschäftigungen so treu vorführt.“[34]
Ein Artikel der Berliner Illustrirten Zeitung grenzt die Kolonialausstellung von bisherigen kommerziellen Völkerschauen ab und hebt ihre vermeintliche Authentizität hervor:
„Wir haben ja freilich in Berlin seit Jahren im zoologischen Garten, im Ausstellungspark zu Moabit, im Passagen-Panoptikum größere und kleinere Trupps der verschiedensten exotischen Völkerschaften kennengelernt. Aber es waren doch lediglich nur Schauobjekte, die […] dressiert vorgeführt wurden. Der Rahmen, in welchem sie sich uns zeigten, war, je nach Lokalität, mehr oder minder Coulisse. Das Negerdorf in der Kolonial-Ausstellung ist aber etwas ganz anderes. Mit geschickter Ausnutzung der vorhandenen Oertlichkeiten an den idyllischen Ufern des Karpfenteiches, sind hier unseren schwarzen Landsleuten die heimatlichen Hütten wiedererstanden, so daß sie sich, abgesehen vom Klima, wie zu Hause fühlten.“[35]
Die Norddeutschen Allgemeine Zeitung stellte sich die Frage, wie sich die verschiedenen bei der Völkerschau ausgestellten Gruppen gegenseitig wahrnehmen.
„Mit welchen Gefühlen mögen sich diese braunen und schwarzen Kerle, die da ein so eigenartiger Zufall aus ihren weltenweit von einander entfernten Heimathsländern für kurze Zeit auf einem kleinen Fleck zusammengeführt hatte, wohl gegenseitig betrachtet haben, diese Neu-Pommern und Kameruner, die Togo und Massai, die Herero und Suaheli. Uns schien es, als sähen z. B. die Massai-Krieger den kuriosen Fetischtänzen der Togoleute mit einem Gefühl unendlicher Ueberlegenheit und gutmüthiger Verachtung zu. Und die Massai-Kriegstänze mögen hinwiederum den Männern von Togo als recht kindischer Zeitvertreib gegenüber ihren tiefernsten Kultusübungen erschienen sein.“[36]
Kritik an der Kolonialausstellung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Bereits im Vorfeld der Ausstellung war Kritik laut geworden. In einer Karikatur des Kladderadatsch vom März 1896 wird Carl Peters in den Mittelpunkt der „Colonial-Peters-Ausstellung 1896“ und zugleich in Zusammenhang zu seinem brutalen Vorgehen in Ostafrika gestellt. Die Gestaltung des Plakats lehnt sich an das offizielle Werbeplakat zur Gewerbeausstellung an. Auch der liberale Politiker Friedrich Naumann übte in einem Bericht über die „Eingeborenendörfer“ deutliche Kritik an der Kolonialausstellung.
„Zwar lassen die Palmen trüb ihre Blätter hängen und die großen Biergärten sehen sehr wenig arabisch aus, aber doch ist viel Material zur Kenntnis unserer Kolonien aufgestapelt. Elephantenzähne und Baumwollstauden kann man zwar auch sonst gelegentlich sehen, aber eine ostafrikanische Holzfestung mit Totenköpfen auf den Stangen hat man doch nicht alle Tage. Mauern, die für Pfeil und Speer fest sind, die aber dem Europäer, der die zerschossenen Burgen am Rhein und das eroberte Straßburg kennt, ein Lächeln abnötigen. Was ist denn im Zeitalter Krupps noch fest? Sicher keine einzige Wand in Afrika, Dort wird alles ‚Bestehende‘ wankend gemacht, und zwar von denen, die bei uns alles Bestehende erhalten wollen. Dort revolutionieren sie eine alte Kultur, und bei uns wollen sie einer werdenden neuen Zeit Halt gebieten! Wunderliche Herren! Die Erde dreht sich, sie tut es in Afrika, und sie tut es in Europa.“[37]
Einen der bekanntesten Berichte über die Kolonialausstellung verfasst der damals 28-jährige Journalist Alfred Kerr für die Breslauer Zeitung, der sich eher herablassend über die zur Schau gestellten Menschen äußerte.
„In der Kolonialausstellung gibt es Negerdörfer mit Eingeborenen. Die Eingeborenen sind aus unseren fernen Siedlungen hertransportiert, die primitiv-grotesken Hütten wohl künstlich nachgeahmt. Ein unglaubliches Tohuwabohu empfängt den Besucher. Unsere transatlantischen Brüder halten sich nämlich für sehr musikalisch, aber sie sind es nicht — bei Gott, nein!!! Sie heulen mit gefletschten Zähnen und seltsam vorgeschobenen Lippen volle Stunden hintereinander eintönige Sänge, mit ganzer Lungenkraft, als ob sie nach der Stärke bezahlt würden, sie klappern dazu mit Muschel-Instrumenten, in Reihen auf der Erde sitzend; hinter ihnen paukt ein Schwarzer, dessen Gesicht die Züge eines Dromedars in erschreckender Weise zeigt, auf eine kürbisähnliche Trommel los, die Mädchen tippen mit einem Stab auf ein breiteres besaitetes Stück Holz, und drei von ihnen führen vor der Front seltsame Gliederzuckungen aus, eine Kreuzpolka von Neu-Guinea offenbar; vor ihnen steht dirigierend ein langer Schwarzer, der in Augenblicken der Erschlaffung durch Blicke und Püffe belebend eingreift. Die ganze Schar aber scheint sich sehr wohl zu fühlen; fast alle lächeln und bekunden einen gewissen Übermut.“[38]
Laut Anne Dreesbach habe Kerr damit weniger seine eigene Haltung gegenüber der Ausstellung als die Wahrnehmung des Publikums mit dem Ziel der „Entlarvung und Kritik des Inszenierungscharakters der Völkerausstellungen“ zum Ausdruck bringen wollen. Auch die amerikanische Historikerin Katherine Arnold beurteilt die Kolonialausstellung als für das Publikum nur mäßig attraktiv – sie „konnte wohl nicht in der Weise beeindrucken, wie es sich die Organisatoren erhofft hatten“. Völkerschau galten über zwanzig Jahre nach der ersten Völkerschau Carl Hagenbecks schon längst als keine Besonderheit mehr, und die Inszenierung der Kolonialausstellung sei in vielen Berichten als „grotesk“ charakterisiert worden.[3.4]
Es gibt vergleichsweise wenige Quellen über das Verhalten der Zuschauer. In seinem Roman Hotel Buchholz schildert Julius Stinde eine Szene aus der Kolonialausstellung:
„Es war eine Mutter vor einer Hütte. Sie saß im Grase und spielte […] mit ihren Kleinen. Die jauchzten vor Lust und das junge Weib strahlte vor Glück. […] Wir gebildeten Europäer standen an dem Gehege und sahen zu. Manche riefen Redensarten, die sie gottlob nicht verstanden, aber mir schien, als wenn die Frau unter ihrer Wangenschwärze erröthete, wenn den Schnodderigkeiten wieherndes Gelächter folgte. Sie erhob sich und blickte die Weißen an. Was sie wohl dachte? Dann nahm sie ihre Kinder an die Hand und verzog sich in die Hütte. […] ‚Die wären richtig weggegrault‘, sagte Onkel Fritz. ‚Haben sie dir gefallen, Erika?‘ – Seine Frau schwieg. Nach einer Weile sprach sie: ‚Die Frau that mir so leid.‘“[39]
Auch der evangelische Theologie und Publizist Julius Richter versuchte, sich in die Lage der ausgestellten Personen zu versetzen, und kritisierte vor allem das Verhalten des Publikums.
„Ob solche Schaustellungen der Afrikaner sittlich berechtigt sind, unterliegt schweren Bedenken. Sie lernen auf der Ausstellung nichts Gutes. Nicht nur, daß der Müßiggang, zu dem sie so lange Monate verurteilt sind, ihnen gewiß Schaden thut; schlimmer ist für die, daß sie Tag für Tag der Gegenstand der Neugierde sind, und daß sie, um diese Neugierde zu befriedigen, veranlasst werden, heidnische Unsitten, Tänze und dergleichen vorzuführen und gewiß bei dieser Gelegenheit nur allzu viel schlechte Witze und leichtfertige Äußerungen zu hören bekommen.“[40]
Verbote der „Ausfuhr von Eingeborenen aus den deutschen Kolonien zum Zwecke der Schaustellung“
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Auch die Deutsche Kolonialgesellschaft sah die Zurschaustellung indigener Menschen aus den deutschen Kolonien aus der Rückschau kritisch und regte im Jahr 1900 das Verbot der „Ausfuhr von Eingeborenen aus den deutschen Kolonien zum Zwecke der Schaustellung“ an, dem die Kolonialabteilung im Auswärtigen Amt zustimmte.[41] Begründet wurde das Verbot unter anderem mit den Erfahrungen aus der Kolonialausstellung 1896 – etwa mit der Behauptung, dass einige der Kameruner in Berlin geblieben und dort „vollständige Trinker geworden sind“.[42] Außerdem beklagte die Kolonialgesellschaft die Kontakte zwischen Völkerschau-Darstellern und deutschen Frauen und den Umstand, dass einige der Darsteller deshalb nicht die Heimreise angetreten hätten. Vor allem wurde ein „verderblicher Einfluss“ der Schaustellungen für die Autorität der deutschen Kolonialbeamten und Siedler in den Kolonien befürchtet.[41]
Weitere Völkerschauen während der Berliner Gewerbeausstellung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Kairo-Ausstellung
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Westlich des Karpfenteichs – auf der gegenüberliegenden Seite der Köpenicker Landstraße – fand zeitgleich die kommerzielle Völkerschau „Kairo“ mit etwa 400 zur Schau gestellten Personen statt. Sie war weder Bestandteil der Gewerbe- noch der Kolonialausstellung und wurde vom Impresario Willy Möller finanziert und organisiert.[43] Zur Schau gestellt wurden Gruppen von Ägyptern, Arabern, Nubiern, Sudanesen, Palästinensern, Tunesiern und Algeriern. Hauptattraktionen waren die etwa 35 m hohe Nachbildung der Cheops-Pyramide, in der echte, aus den Berliner Museen ausgeliehene Mumien ausgestellt wurden, und eine orientalische Einkaufsstraße („Rue de Caire“) mit zahlreichen Basaren, Geschäften, Restaurants und einer Moschee.[9.4] Obschon beide Ausstellungen in keinem direkten Zusammenhang standen, wurden sie von den Besuchern häufig verwechselt – auch weil sich ihre Eingänge in unmittelbarer Nachbarschaft an der Köpenicker Landstraße (heute Bundesstraße 96a Am Treptower Park) befanden.[44]
Hagenbecks Eismeer-Panorama
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In direkter Nachbarschaft zu den Ausstellungshallen der Kolonialausstellung wurde während der Gewerbeausstellung ein Vergnügungspark angelegt, in dem unter anderem ein von Carl Hagenbeck errichtetes Eismeer-Panorama aufgebaut wurde. Es sollte den Besucher in eine „von Eisbären durchstreifte arktische Schneelandschaft“ versetzen. Im Vordergrund befand sich ein Becken mit Robben und Pinguinen.[7.2] Zwölf freilaufende Eisbären wurden so präsentiert, dass der Zuschauer keine Begrenzungen des Geheges ausmachen konnte. In diesem Panorama wurde eine kleine Gruppe von drei Personen ausgestellt, wie der Hamburgische Correspondent vom 11. Juni 1896 berichtete: „Eskimos, zwei Männer und eine Frau, nicht unschöne Leute in ihrer Nationaltracht. Die Frau ist ebenso wie die Männer in Felle gekleidet, man erkennt sie nur an den lang herabfallenden Haaren“.[46]
Nachwirkungen und Folgen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Weder die Gewerbe- noch die Kolonial- oder Kairo-Ausstellung haben in Berlin städtebaulichen Spuren hinterlassen, denn bereits im Vorfeld wurde zur Schonung des Treptower Parks vereinbart, dass fast alle Gebäude unmittelbar nach Ende der Ausstellungen wieder abgerissen werden mussten. Deshalb gibt es rund um den Karpfenteich keine sichtbaren Überreste der Kolonialausstellung.[29] Das „Tropenhaus“ wurde abgebaut und nach Togo verladen, um dort als Verwaltungsgebäude genutzt zu werden.[12.2]
Insgesamt zwölf der Darsteller[16.1] aus Afrika blieben nach der Kolonialausstellung in Berlin und begannen hier eine Ausbildung. Nayo Bruce ließ seinen während der Kolonialausstellung dreijährigen Sohn Kwassi Bruce in Berlin und gab ihn bei den Inhabern des Deutschen Kolonialhauses Bruno und Marie Antelmann in Pflege.[47] Auch der 19-jährige Bernhard Epassi aus Kribi (Kamerun) begann nach der Kolonialausstellung eine kaufmännische Ausbildung und lebte im Kolonialhaus der Antelmanns. Bruno Antelmann veranlasste 1900 seine Abschiebung, weil er sich „den kolonialrassistischen Erziehungsmethoden und Moralvorstellungen seines selbsternannten Vormunds mehrmals entzogen hatte“.[22.3] Über die große Mehrheit der in ihre Heimat zurückgekehrten Völkerschau-Darsteller gibt es nur wenige Überlieferungen.
Der „Arbeitsausschuss der Deutschen Kolonialausstellung“ bemühte sich nach Ende der Kolonialausstellung verschiedene Exponate zu sammeln, um sie später in ein Museum zu überführen. Das Deutsche Kolonialmuseum wurde 1899 neben dem Lehrter Bahnhof eröffnet.[16.2]
Rezeption
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Deutungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Historikerin Britta Lange sieht in Kolonialausstellung den Versuch des „Arbeitsausschusses der Deutschen Kolonialausstellung“, die „Erfolge bei der Erziehung der Eingeborenen zur Kultur und zur Arbeit“ deutlich zu machen.[6.2] Die 106 zur Schau gestellten Personen sollten „in den ethnografischen Dörfern als lebende Erfolgsbeispiele der deutschen ‚Erziehung und Zivilisierung‘ präsentiert sowie diskursiv als ‚unsere Landsleute‘ in das Deutsche inkorporiert“ werden.[6.3] Die Historikerin Katherine Arnold stellt in ihrem Aufsatz fest, dass erst die Kolonialausstellung im Zusammenspiel mit der Kairo-Ausstellung Berlin auf der Gewerbeschau als „imperiale Hauptstadt“ erscheinen ließ,[3.5] wobei die Kolonialausstellung mit ihrer Inszenierung von aggressiver Eroberung beim Publikum weniger Zuspruch gefunden habe.[3.6] Ganz ähnlich sieht amerikanische Soziologie George Steinmetz sieht in der asymmetrischen Anlage der beiden Ausstellungsteile den Versuch, die Unterlegenheit der Kolonisierten zu inszenieren und somit ihre Unterwerfung zu rechtfertigen. Die Kairo-Ausstellung bildete einen Gegenpol zur Kolonialausstellung und stand für eine globale und nicht-koloniale Weltpolitik.[12.4] Die Historikerin Anne Dreesbach schließlich urteilt, dass die Kolonialausstellung aus Sicht der Veranstalter sogar gescheitert war:
„Der Erfolg der kommerziellen Schauen hatte zwar die Veranstalter der Kolonialausstellung 1896 gelockt, sich des populären Mediums zu bedienen, doch die Schauen waren nur unter Voraussetzungen erfolgreich, die den Zielsetzungen der Kolonialpropagandisten widersprachen. Die Kolonialpropagandisten wiederum konnten mit dem romantisch-exotischen Bild vom Eingeborenen nichts anfangen, dieses Bild schadete sogar ihren Ambitionen.“[9.6]
Ausstellungen
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Das Museum Treptow-Köpenick eröffnete im Jahr 2017 eine erste Ausstellung über die Berliner Kolonialausstellung mit dem Titel zurückGESCHAUT.[29] Die Ausstellung wurde 2021 überarbeitet neu eröffnet.[28]
Podcast
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]2019 veröffentlichte ein Künstlerkollektiv unter der Leitung von Joel Vogel und Vincent Bababoutilabo und in Anknüpfung an die erste Ausstellung im Museum Treptow den Audiowalk zurückERZÄHLT.[48]
Erinnerungsort am Karpfenteich
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Museum Treptow hat im März 2025 eine Initiative gestartet, am Karpfenteich im Treptower Park einen Erinnerungsort für die Kolonialschau von 1896 zu schaffen.[49]
Forschungsstand
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einen ausführlichen Überblick zum Forschungsstand gibt Katherine Arnold in ihrem Aufsatz Fashioning an Imperial Metropolis at the 1896 Berliner Gewerbeausstellung von 2021.[3] Einschlägige Publikationen sind außerdem die Arbeiten von Stefan Arnold,[4] Nana Badenberg,[16] Anne Dreesbach,[9] Alexander Honold,[7] Jennifer Kopf,[11] Bettina Lange,[6] Roland Richter,[5] Daniela Schnitter[8], George Steinmetz[12], zwei Aufsätze von Hilke Thode-Arora (von 2017[2] und 2021[23]) sowie ein 2025 im Sammelband Dekoloniale erschienener Beitrag[22] zur Ausstellung im Museum Treptow-Köpenick. Die Kolonialausstellung ist unter anderem aufgrund des „Amtlichen Berichts über die Erste Deutsche Kolonial-Ausstellung“[1], der „Erweiterten Sonderausgabe aus dem Amtlichen Bericht“ von Felix von Luschan[33] und dem „Pracht-Album“ zur Gewerbeausstellung[10] zeitgenössisch gut dokumentiert. Eine umfassende Monographie steht noch aus.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Katherine Arnold: Fashioning an Imperial Metropolis at the 1896 Berliner Gewerbeausstellung. In: The Historical Journal, Cambridge University Press, Band 65, Ausgabe 3 (Juni 2022), S. 685–706.
- Stefan Arnold: Propaganda mit Menschen aus Übersee. Kolonialausstellungen in Deutschland, 1896 bis 1940. In: Robert Debusmann, János Riesz (Hrsg.): Kolonialausstellungen – Begegnungen mit Afrika? IKO-Verlag für interkulturelle Kommunikation, Frankfurt am Main 1995, ISBN 3-88939-401-9, S. 1–24.
- Nana Badenberg: Zwischen Kairo und Alt-Berlin. Sommer 1896: Die deutschen Kolonien als Ware und Werbung auf der Gewerbe-Ausstellung in Treptow. In: Alexander Honold, Klaus R. Scherpe (Hrsg.): Mit Deutschland um die Welt. JB Metzler, Stuttgart 2004, ISBN 978-3-476-02955-3, S. 190–199.
- Anne Dreesbach: Gezähmte Wilde. Die Zurschaustellung „exotischer“ Menschen in Deutschland 1870–1940. Campus-Verlag, Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-593-37732-2.
- Alexander Honold: Ausstellung des Fremden – Menschen- und Völkerschau um 1900. Zwischen Anpassung und Verfremdung. Der Exot und sein Publikum. In: Sebastian Conrad, Jürgen Osterhammel (Hrsg.): Das Kaiserreich transnational. Deutschland in der Welt 1871–1914. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2006, ISBN 3-525-36733-3, S. 170–190.
- Jennifer Kopf: Picturing Difference: Writing the Races in the 1896 Berlin Trade Exposition's Souvenir Album. In: Historical Geography. Jg. 2008 (36), ISSN 1091-6458, S. 112–138.
- Britta Lange: Geschichte als Argument. Deutsche Kolonien und deutsche „Heimat“ in der Berliner Gewerbeausstellung 1896 und in der Retrospektive 1996/2007. In: Jahrbuch für Politik und Geschichte 4 2013, ISBN 978-3-515-10676-4, S. 67–86.
- Roland Richter: Die erste deutsche Kolonialausstellung 1896. Der Amtliche Bericht in historischer Perspektive. In: Robert Debusmann, János Riesz (Hrsg.): Kolonialausstellungen – Begegnungen mit Afrika? IKO-Verlag für interkulturelle Kommunikation, Frankfurt am Main 1995, ISBN 3-88939-401-9, S. 25–42.
- Daniela Schnitter: Zur ersten Deutschen Kolonialausstellung im Rahmen der Berliner Gewerbeausstellung 1896. In: Hella Kaeselitz (Hrsg.): Die verhinderte Weltausstellung. Beiträge zur Berliner Gewerbeausstellung 1896. Bezirksamt Treptow von Berlin, Berlin 1996, ISBN 3-929666-25-1, S. 115–124.
- George Steinmetz: Empire in three keys. Forging the imperial imaginary at the 1896 Berlin trade exhibition. In: Thesis Eleven, Jg. 2017 (139), Nr. 1, ISSN 0725-5136, S. 46–68.
- Hilke Thode-Arora: Für fünfzig Pfennig um die Welt. Völkerschauen zwischen Schaugeschäft, Wissenschaft und Kolonialpolitik. In: Mitteilungen der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte, Bd. 38 (2017), S. 143–166.
- Hilke Thode-Arora: Schauanordnungen des „Ursprünglichen“. Maasai auf der deutschen Kolonialausstellung 1896. In: Katarina Matiasek (Hrsg.): Überleben im Bild „Rettungsanthropologie“ in der fotografischen Sammlung Emma und Felix von Luschan. Fotohof edition, Salzburg 2021 (Beiträge zur Geschichte der Fotografie in Österreich; 21), ISBN 978-3-903334-15-1, S. 102–113.
- Ulrich van der Heyden: Die Kolonial- und die die Transvaal-Ausstellung 1896/97. In: ders., Joachim Zeller (Hrsg.): Kolonialmetropole Berlin. Eine Spurensuche. Berlin Edition, Berlin 2002, ISBN 3-8148-0092-3, S. 135–142.
- Zurückgeschaut. Die Erste Deutsche Kolonialausstellung 1896 in Berlin Treptow (o. A.). In: Berlin Postkolonial u. a. (Hrsg.): Dekoloniale. Erinnerungskultur in der Stadt. Falschrum Verlag, Berlin 2025, ISBN 978-3-910237-05-6, S. 118–133.
Zeitgenössische Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Martin Hagen: Von der Berliner Gewerbe-Ausstellung. IV. Die Kolonial-Ausstellung. In: Velhagen & Klasings Monatshefte, Jahrgang 1896/97, Band 2, S. 105–112.
- Paul Lindenberg: Pracht-Album fotografischer Aufnahmen der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896. Werner Verlag, Berlin 1896.
- Gustav Meinecke: Deutsche Kolonial-Ausstellung 1896. Gruppe XXIII der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896. Offizieller Katalog und Führer. Verlag Rudolf Mosse, Berlin 1896.
- Gustav Meinecke (Red.): Deutschland und seine Kolonien im Jahre 1896. Amtlicher Bericht über d. 1. deutsche Kolonial-Ausstellung. Dietrich Reimer Verlag, Berlin 1897.
- Felix von Luschan: Beiträge zur Völkerkunde der deutschen Schutzgebiete. Erweiterte Sonderausgabe aus dem „Amtlichen Bericht über die erste deutsche Kolonial-Ausstellung“ in Treptow 1896. Reimer, Berlin 1897.
- Georg Zimmermann: „Afrika“ auf der Berliner Gewerbeausstellung. Mit Abbildungen nach Aquarellen von Rudolf Hellgrewe. Berlin 1896.
- Illustrierter Amtlicher Führer durch die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896. Verlag der Expedition des Amtlichen Führers, Berlin 1896.
Podcast
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Joel Vogel: zurückERZÄHLT – ein Hörspaziergang. Online unter: zurueckerzaehlt.de, ohne Datum, abgerufen am 28. September 2025.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Alexander C.T. Geppert: Weltstadt für einen Sommer: Die Berliner Gewerbeausstellung 1896 im europäischen Kontext. Online unter: Die Geschichte Berlins, ohne Datum, abgerufen am 28. September 2025.
- Ranaa Khalaf, Melis Karca, Assia Kaddache: Kairo in Berlin. Online unter: blogs.fu-berlin.de, ohne Datum, abgerufen am 28. September 2025.
- Horst Kleinert: Die Kolonialausstellung von 1896 in Berlin: Afrika und die Südsee vor der Haustür. Online unter: Tagesspiegel, 5. Januar 2023, abgerufen am 28. September 2025.
- Josephine Kuban: Wer schaut hier wen an? Die Ausstellung „zurückGESCHAUT“ im Museum Treptow in Berlin. Online unter: Visual History, 28. Juni 2021, abgerufen am 28. September 2025.
- Seyda Kurt: Koloniale Völkerschauen: „Es war und ist der rassistische Blick auf nicht-weiße Menschen“. Online unter: Zett, Die Zeit, 29. September 2019, abgerufen am 28. September 2025.
- Susanne Memarnia: Menschen zum Anglotzen. Online unter: taz, 6. Oktober 2017, abgerufen am 28. September 2025.
- Museen Treptow-Köpenick: Audioguide zur ersten Ausstellung „zurückgeschaut | looking back - Die Erste Deutsche Kolonialausstellung von 1896 in Berlin-Treptow“ (2017–2021). Online unter: berlin.de, ohne Datum, abgerufen am 21. Oktober 2025.
- Museen Treptow-Köpenick: Ausstellung „zurückgeschaut | looking back - Die Erste Deutsche Kolonialausstellung von 1896 in Berlin-Treptow“. Online unter: berlin.de, ohne Datum, abgerufen am 28. September 2025.
- Museen Treptow-Köpenick: Auftaktveranstaltung für das Schaffen eines Erinnerungsorts am Karpfenteich im Treptower Park am 5. März 2025. Online unter: berlin.de, 25. Februar 2025, abgerufen am 28. September 2025.
- Oliver Noffke: Vor 125 Jahren: Wie bei der Kolonialausstellung von 1896 Widerstand geleistet wurde. Online unter: rbb24, 10. Oktober 2021, abgerufen am 28. September 2025.
- Paulette Reed-Anderson: Die „Erste Deutsche Kolonial-Ausstellung“ im Jahr 1896. Online unter: kolonialismus-begegnen.de, 13. Juni 2021, abgerufen am 28. September 2025.
- Ursula Trüper: Afrika in Berlin - Ein Stadtspaziergang des DHM. 11.Treptow: Die Deutsche Colonial-Ausstellung von 1896 im Treptower Park. Online unter: dhm.de, ohne Datum, abgerufen am 28. September 2025.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Gustav Meinecke (Red.): Deutschland und seine Kolonien im Jahre 1896. Amtlicher Bericht über d. 1. deutsche Kolonial-Ausstellung. Dietrich Reimer Verlag, Berlin 1897.
- ↑ Hilke Thode-Arora: Für fünfzig Pfennig um die Welt. Völkerschauen zwischen Schaugeschäft, Wissenschaft und Kolonialpolitik. In: Mitteilungen der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte, Bd. 38 (2017), S. 143–166.
- ↑ Katherine Arnold: Fashioning an Imperial Metropolis at the 1896 Berliner Gewerbeausstellung. In: The Historical Journal, Band 65, Ausgabe 3 (Juni 2022), S. 685–706.
- ↑ Stefan Arnold: Propaganda mit Menschen aus Übersee. Kolonialausstellungen in Deutschland, 1896 bis 1940. In: Robert Debusmann, János Riesz (Hrsg.): Kolonialausstellungen – Begegnungen mit Afrika? Frankfurt am Main 1995, S. 1–24.
- ↑ Roland Richter: Die erste deutsche Kolonialausstellung 1896. Der Amtliche Bericht in historischer Perspektive. In: Robert Debusmann, János Riesz (Hrsg.): Kolonialausstellungen – Begegnungen mit Afrika? Frankfurt am Main 1995, S. 25–42.
- ↑ Britta Lange: Geschichte als Argument. Deutsche Kolonien und deutsche „Heimat“ in der Berliner Gewerbeausstellung 1896 und in der Retrospektive 1996/2007. In: Jahrbuch für Politik und Geschichte 4 (2013), S. 67–86.
- ↑ Alexander Honold: Ausstellung des Fremden – Menschen- und Völkerschau um 1900. Zwischen Anpassung und Verfremdung. Der Exot und sein Publikum. In: Sebastian Conrad, Jürgen Osterhammel (Hrsg.): Das Kaiserreich transnational. Deutschland in der Welt 1871–1914. Göttingen 2006, S. 170–190.
- ↑ Daniela Schnitter: Zur ersten Deutschen Kolonialausstellung im Rahmen der Berliner Gewerbeausstellung 1896. In: Hella Kaeselitz (Hrsg.): Die verhinderte Weltausstellung. Beiträge zur Berliner Gewerbeausstellung 1896. Berlin 1996, S. 115–124.
- ↑ Anne Dreesbach: Gezähmte Wilde. Die Zurschaustellung „exotischer“ Menschen in Deutschland 1870–1940. Frankfurt am Main 2005.
- ↑ Paul Lindenberg: Pracht-Album fotografischer Aufnahmen der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896. Berlin 1896.
- ↑ Jennifer Kopf: Picturing Difference: Writing the Races in the 1896 Berlin Trade Exposition's Souvenir Album. In: Historical Geography. Jg. 2008 (36), ISSN 1091-6458, S. 112–138.
- ↑ George Steinmetz: Empire in three keys. Forging the imperial imaginary at the 1896 Berlin trade exhibition. In: Thesis Eleven, Jg. 2017 (139), Nr. 1, ISSN 0725-5136, S. 46–68.
- ↑ Friedrich Fülleborn: Die tropenhygienische Ausstellung des Auswärtigen Amtes auf der deutschen Kolonialausstellung in Berlin. In: Deutsche Kolonialzeitung, Jg. 9, Nr. 35 (29. August 2896), S. 276 f.
- ↑ a b Erinnerung an die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896. Berlin 1896 (ohne Seitenangabe).
- ↑ a b c Alle Fotografien aus: Gustav Meinecke (Red.): Deutschland und seine Kolonien im Jahre 1896. Amtlicher Bericht über d. 1. deutsche Kolonial-Ausstellung. Dietrich Reimer Verlag, Berlin 1897, S. 14–32.
- ↑ Nana Badenberg: Zwischen Kairo und Alt-Berlin. Sommer 1896: Die deutschen Kolonien als Ware und Werbung auf der Gewerbe-Ausstellung in Treptow. In: Alexander Honold, Klaus R. Scherpe (Hrsg.): Mit Deutschland um die Welt. Stuttgart 2004, S. 190–199.
- ↑ Erinnerung an die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896. Berlin 1896 (ohne Seitenangabe).
- ↑ Berliner Kolonialausstellung - Billetbuch zu wesentlich ermässigten Preisen. Berlin 1896.
- ↑ Carl Krug: Die Sonderausstellung Kairo. In: Fritz Kühnemann u. a. (Hg.)Berlin und seine Arbeit. Amtlicher Bericht der Berliner Gewerbeausstellung 1896 D. Reimer Verlag, Berlin 1898, S. 867–873, hier S. 873 f.
- ↑ Major von Wissmann In: General-Anzeiger der Stadt Mannheim und Umgebung, 12. Mai 1896.
- ↑ Andernorts werden oft 19 Personen aus Kamerun und 41 aus Ost-Afrika genannt und insgesamt 103 Personen gezählt. Die Abweichung erklärt sich durch die drei Todesfälle. Felix von Luschan: Beiträge zur Völkerkunde der deutschen Schutzgebiete. Erweiterte Sonderausgabe aus dem „Amtlichen Bericht über die erste deutsche Kolonial-Ausstellung“ in Treptow 1896. Reimer, Berlin 1897, S. 209–243, hat alle 106 Darsteller durchnummeriert.
- ↑ Zurückgeschaut. Die Erste Deutsche Kolonialausstellung 1896 in Berlin Treptow (o. A.). In: Berlin Postkolonial u. a. (Hrsg.): Dekoloniale. Erinnerungskultur in der Stadt. Falschrum Verlag, Berlin 2025, ISBN 978-3-910237-05-6, S. 118–133.
- ↑ Hilke Thode-Arora: Schauanordnungen des „Ursprünglichen“. Maasai auf der deutschen Kolonialausstellung 1896. In: Katarina Matiasek (Hrsg.): Überleben im Bild „Rettungsanthropologie“ in der fotografischen Sammlung Emma und Felix von Luschan. Salzburg 2021 (Beiträge zur Geschichte der Fotografie in Österreich; 21), S. 102–113.
- ↑ Der Kameruner Suntag. In: Berliner Tageblatt und Handels-Zeitung, 13. August 1896.
- ↑ a b c Alle Fotografien aus: Gustav Meinecke (Red.): Deutschland und seine Kolonien im Jahre 1896. Amtlicher Bericht über d. 1. deutsche Kolonial-Ausstellung. Dietrich Reimer Verlag, Berlin 1897, S. 403, 407, 411 und 159.
- ↑ Rea Brändle: Nayo Bruce. Geschichte einer afrikanischen Familie in Europa. Zürich 2007, S. 13; Wortlaut des Interviews:
Wikisource: Eine Unterhaltung mit einem Togo-Häuptling – Quellen und Volltexte
- ↑ In der 2021 überarbeiteten Ausstellung wird das Opernglas nicht mehr ausgestellt.
- ↑ a b c Museum Treptow-Köpenick: Ausstellung „zurückgeschaut | looking back - Die Erste Deutsche Kolonialausstellung von 1896 in Berlin-Treptow“. Online unter: berlin.de, ohne Datum, abgerufen am 28. September 2025.
- ↑ a b c d Josephine Kuban: Wer schaut hier wen an? Die Ausstellung „zurückGESCHAUT“ im Museum Treptow in Berlin. Online unter: Visual History, 28. Juni 2021, abgerufen am 1. Februar 2024.
- ↑ Ursula Trüper: Afrika in Berlin - Ein Stadtspaziergang des DHM. 11.Treptow: Die Deutsche Colonial-Ausstellung von 1896 im Treptower Park. Online unter: dhm.de, ohne Datum, abgerufen am 28. September 2025.
- ↑ Ulrich van der Heyden: Die Kolonial und die die Transvaal-Ausstellung 1896/97. In: ders., Joachim Zeller (Hrsg.): Kolonialmetropole Berlin. Eine Spurensuche. Berlin 2002, S. 135–142.
- ↑ Gustav Meinecke: Deutsche Kolonial-Ausstellung 1896. Gruppe XXIII der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896. Offizieller Katalog und Führer. Verlag Rudolf Mosse, Berlin 1896, S. 17, 19, 42, 53 und 51.
- ↑ Felix von Luschan: Beiträge zur Völkerkunde der deutschen Schutzgebiete. Erweiterte Sonderausgabe aus dem Amtlichen Bericht über die erste deutsche Kolonial-Ausstellung in Treptow 1896. Berlin 1897.
- ↑ Deutsche Kolonial-Ausstellung BerlinIn: Harburger Anzeigen und Nachrichten, 30. Juni 1896.
- ↑ Berliner Illustrierte Zeitung, zitiert nach: Anne Dreesbach: Gezähmte Wilde. Frankfurt am Main 2005, S. 199.
- ↑ Das Wohlthätigkeitfest zum Besten der Hinterbliebnen des „Iltis“ in der Kolonialausstellung In: Norddeutsche allgemeine Zeitung, 9. August 1896.
- ↑ Zitiert nach: Anne Dreesbach: Gezähmte Wilde. Frankfurt am Main 2005, S. 199.
- ↑ Alfred Kerr: Wo liegt Berlin? Briefe aus der Reichshauptstadt 1895–1900. Aufbau-Verlag, Berlin 1998, ISBN 3-351-02830-X, S. 151 f.
- ↑ Julius Stinde: Hôtel Buchholz. Ausstellungs-Erlebnisse der Frau Wilhelmine Buchholz. Verlag von Freund & Jeckel, Berlin 1897, S. 203f.; zitiert nach: Johanna Niedbalski: „Völkerschauen“ im Berliner Lunapark. Online unter: kolonialismus-begegnen.de, 25. Februar 2022, abgerufen am 15. Oktober 2025.
- ↑ Zitiert nach: Anne Dreesbach: Gezähmte Wilde. Frankfurt am Main 2005, S. 220.
- ↑ a b Harald Sippel: Rassismus, Protektionismus oder Humanität? Die gesetzlichen Verbote der Anwerbung von „Eingeborenen“ zu Schaustellungszwecken in den deutschen Kolonien. In: Robert Debusmann, János Riesz (Hrsg.): Kolonialausstellungen – Begegnungen mit Afrika? IKO-Verlag für interkulturelle Kommunikation, Frankfurt am Main 1995, S. 43–64, hier S. 54 ff.
- ↑ Franz Strauch: Zur Frage der Ausfuhr von Eingeborenen aus den deutschen Kolonien zum Zwecke der Schaustellung. In: Deutsche Kolonialzeitung, Jg. 17, Teil 3: Nr. 46 (Berlin, 15. November 1900), S. 519 f.
- ↑ Ranaa Khalaf, Melis Karca, Assia Kaddache: Kairo in Berlin. Online unter: blogs.fu-berlin.de, ohne Datum, abgerufen am 28. September 2025.
- ↑ Ines Roman: Exotische Welten – Die Inszenierung Ägyptens in der Sonderausstellung "Kairo" der Berliner Gewerbe-Ausstellung von 1896 (Magisterarbeit). Münster o. J., S. 34 f.
- ↑ Eric Ames: Carl Hagenbeck’s Empire of Entertainments. University of Washington Press, Seattle 2009, ISBN 978-0-295-98833-7, Plate 9
- ↑ Hagenbeck auf der Berliner Gewerbe-Ausstellung. In: Hamburgischer Correspondet, 11. Juni 1896, S. 1.
- ↑ Rea Brändle: Nayo Bruce. Geschichte einer afrikanischen Familie in Europa. Chronos, Zürich 2007, ISBN 978-3-0340-0868-6, S. 150.
- ↑ Joel Vogel: zurückERZÄHLT – ein Hörspaziergang. Online unter: zurueckerzaehlt.de, ohne Datum, abgerufen am 28. September 2025. Der Podcast stellte auch den Versuch dar, das Problem des Zeigens von kolonialer Fotografien zu umgehen; s. hierzu Katrin Sieg: „Troublesome Performers, Beautiful Fighters“. Bringing to Life the Kolonial-Ausstellung of 1896 at the Museum and Beyond. In: A Journal of Germanic Studies. Jg. 60 (2024), Ausgabe 3, S. 210–234.
- ↑ Museum Treptow-Köpenick: Auftaktveranstaltung für das Schaffen eines Erinnerungsorts am Karpfenteich im Treptower Park am 5. März 2025. Online unter: berlin.de, 25. Februar 2025, abgerufen am 28. September 2025.