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Kurfürstliches Jagdhaus (Elmstein)

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Kurfürstliches Jagdhaus
Gebäude von Norden her

Gebäude von Norden her

Daten
Ort Elmstein
Bauherr Kurfürst Karl Theodor
Baustil barocker Fachwerkbau
Baujahr 18. Jahrhundert
Koordinaten 49° 21′ 4,1″ N, 7° 56′ 1,5″ OKoordinaten: 49° 21′ 4,1″ N, 7° 56′ 1,5″ O
Kurfürstliches Jagdhaus (Rheinland-Pfalz)
Kurfürstliches Jagdhaus (Rheinland-Pfalz)
Besonderheiten
* ursprünglich Jagdhaus von Karl Theodor
* später Forstamt (1822–1848 und 1885–1898)
* seit 1899 in Privatbesitz mit wechselnder Verwendung

Das Kurfürstliche Jagdhaus – alternativ churfürstlisches Jagdhaus oder churpfälzisches Jagdhaus genannt[1] – ist ein Gebäudeensemble in Elmstein, das aus dem 18. Jahrhundert stammt und dessen Hauptgebäude unter Denkmalschutz steht.

Rund ein Jahrhundert lang war es Wohnsitz des örtlichen Försters. Während der ersten Jahrzehnte seines Bestehens diente es zusätzlich als Jagdhaus des Kurfürsten, wo sein Name herrührt, später war es von 1822 bis 1848 und erneut von 1885 bis 1898 Sitz eines Forstamtes. Seither befindet es sich in Privatbesitz; vor allem die Nebengebäude wurden daraufhin zeitweise gewerblich genutzt. Es ist das älteste existierende Wohngebäude innerhalb der Ortsgemeinde.[2]

Gebäude von Westen her, links verlaufen mehrere Wanderwege und hinter dem Geländer der Speyerbach, im Hintergrund der Möllberg

Das Gebäude steht mit der Hausnummer 3 innerhalb der als Sackgasse angelegten Alten Forststraße und bildet deren südlichen Abschluss. Unmittelbar südlich verläuft der Speyerbach. An dessen Nordufer führen an der Südseite des Hauses mehrere markierte Wanderwege vorbei, darunter der Fernwanderweg Saar-Rhein-Main und die Nordroute der Pfälzer Jakobswege.[3] Etwas weiter nordwestlich befindet sich die katholische Kirche Mariä Heimsuchung, mit der es oft als „Ensemble“ betrachtet wird.[2] Unmittelbar südlich des Speyerbachs erhebt sich der Möllberg.

Das Bauwerk ist ein Zweiseithof mit 21 Zimmern aus der Zeit des Barock. Es ist ein in Teilen verputzter, zweistöckiger Fachwerkbau mit Mansardwalmdach.[4] Hinzu kommen Stallungen, die sich unmittelbar nordwestlich befinden, sowie eine Waschküche und ein mit der Jahreszahl 1754 bezeichnetes Kellergebäude auf der südlichen Seite des Speyerbachs, das durch eine Bogenbrücke angebunden ist.[5][2]

18. und 19. Jahrhundert

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Historische Ansicht des Gebäudes, im Hintergrund das giebelständige Kellergebäude, rechts die Stallungen

Obwohl als Baujahr des Hauses offiziell 1754 genannt wurde, nehmen einige Quellen eine frühere Errichtung während der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts an. An seiner Stelle hatte zuvor ein Gebäude gestanden, das im Dreißigjährigen Krieg zerstört worden war. Der Neubau war ursprünglich Jagdhaus des pfälzischen Kurfürsten Karl Theodor und erhielt auf diese Weise seinen Namen. Nachdem die örtliche Kirche 1707 den Protestanten zugeschlagen worden war, wurden in einem seiner Zimmer ab 1763 katholische Gottesdienste gehalten, bis zwei Jahre später die Kirche Mariä Heimsuchung fertiggestellt war.[5]

Bis 1791 war es außerdem Wohnsitz des Försters Friedrich Haag, der dem Forstmeister des Oberamtes Neustadt unterstand und der seinerzeit zugleich Bürgermeister von Elmstein war.[6]

Nachdem die Pfalz und somit Elmstein ab 1816 Teil von Bayern geworden waren, wurde 1822 in dem einst kurpfälzischen Ort eines von 18 bayerischen Forstämtern links des Rheins eingerichtet. Es war im einstigen kurfürstlichen Jagdhaus untergebracht und unterteilte sich seinerzeit in die Reviere Johanniskreuz, Hofstätten, Bloskülb, Elmstein und Neidenfels. 1848 zog das Forstamt in ein mittlerweile ebenfalls denkmalgeschütztes Gebäude in der Schankstraße.[7] Zeitweilig war während des 19. Jahrhunderts im Gebäude außerdem ein Triftamt untergebracht.[8] Während der 1840er Jahre war es Wohnsitz des Trift- und Forstmeisters Jakob von Traitteur, der durch sein Wirken in der Gemeinde sehr unpopulär war.[5]

Infolge einer Reorganisation der bayerischen Forstverwaltung wurden innerhalb der Pfalz 61 neue Forstämter eingerichtet; darunter befand sich das neue Forstamt Elmstein-Süd, das ins Gebäude zog und für die Waldgebiete südlich des Speyerbachs zuständig war; das bisherige, fortan in der Schankstraße residierende Pendant wurde entsprechend in Elmstein-Nord umbenannt und war ausschließlich für den Bereich nördlich des Flusses verantwortlich. 1898 errichtete der bayerische Staat in der Bahnhofstraße ein neues Gebäude, das als neuer Sitz für das Forstamt Elmstein-Süd diente und zu dem der Hirschkopf vom bisherigen Sitz transferiert wurde. Das seit Mitte des 18. Jahrhunderts existierende Gebäude verkaufte er daraufhin 1899 an den Gemeindesekretär Jakob Detzer.[7][9]

Seit dem 20. Jahrhundert

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Postkarte von Elmstein aus dem Jahr 1904, rechts unten das Kurfürstliche Jagdhaus

Seit dem Verkauf dient es teilweise als Wohnhaus.[10] Detzer vermarktete das Gebäude in der Folgezeit als „Kurhaus“. Während der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde es als Tanzlokal und für Kochkurse genutzt.[9]

1956 kaufte der Bäcker Lorenz Damm das Haus und betrieb ab 1963 in den Stallungen das Dorfkino „Elmsteiner Filmbühne“. Ab 1979 war der Förderverein Projekt internationales Medienzentrum e. V. Besitzer des Gebäudeensembles und betrieb die Filmbühne bis Juni 1980. Ab dieser Zeit lebte eine Kommune im Hauptgebäude, deren Mitglieder aus vielen unterschiedlichen Ländern kamen. Pläne, fortan ein Gästehaus aus dem Bauwerk zu machen, konnten jedoch nicht verwirklicht werden. Seit 1995 steht das Hauptgebäude unter Denkmalschutz. Seit 2007 ist es im Besitz des bereits zuvor im Haus wohnenden Ehepaars Bernd Elsner und Gisela Scheriau, die besagten Förderverein mitgegründet hatten und daraufhin die von diesem forcierte Renovierung betrieben. Bis Ende 2024 vermarkteten sie das Gebäude unter dem Namen „Blauer Hof Elmstein“ als Gästezimmer und betrieben von Juni 2014 bis ebenfalls Ende 2024 in den Stallungen eine Gaststätte.[5][11][4][12]

Inzwischen ist im Hauptgebäude eine private Arztpraxis untergebracht.[13] Zudem stellt das Gebäude die fünfte Station der im März 2022 von der Verbandsgemeinde Lambrecht eingerichteten Audiotour „Felsenkönig“ dar.[14][15][16]

Commons: Kurpfälzisches Jagdhaus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. Forstamt Elmstein Süd. Kulturdenkmal im Bereich des Pfälzerwald-Vereins Ortsgruppe Elmstein e.V. In: pwv-elmstein.de.tl. 23. September 2025, abgerufen am 23. September 2025.
  2. a b c Wolfgang Ross: Viel Steine gab's und wenig Brot. Anmerkungen zur Siedlungsgeschichte Elmsteins. In: Elmstein (Hrsg.): Die Gemeinde Elmstein in alten Bildern. Geiger-Verlag, Horb am Neckar 2006, ISBN 3-86595-096-5, S. 13.
  3. Waymarked Trails: Wanderwege. In: hiking.waymarkedtrails.org. 20. September 2025, abgerufen am 20. September 2025.
  4. a b Barockes Schmuckstück am Speyerbach. In: rheinpfalz.de. 15. August 2015, abgerufen am 20. September 2025.
  5. a b c d Elmstein Kurfürstliches Jagdhaus. Kulturdenkmal im Bereich des Pfälzerwald-Vereins Ortsgruppe Elmstein e.V. In: pwv-elmstein.de.tl. 23. September 2025, abgerufen am 23. September 2025.
  6. Werner Moser: Der Elmsteiner Wald und seine Verwaltung. In: Elmstein (Hrsg.): Die Gemeinde Elmstein in alten Bildern. Geiger-Verlag, Horb am Neckar 2006, ISBN 3-86595-096-5, S. 119 f.
  7. a b Werner Moser: Der Elmsteiner Wald und seine Verwaltung. In: Elmstein (Hrsg.): Die Gemeinde Elmstein in alten Bildern. Geiger-Verlag, Horb am Neckar 2006, ISBN 3-86595-096-5, S. 120.
  8. Felsenkönig Audiotour Infotafel 5. 3. Juni 2023, abgerufen am 20. September 2025.
  9. a b Klaus Kullmer: Bilder von Elmstein und seinen Ortsteilen aus 100 Jahren. In: Elmstein (Hrsg.): Die Gemeinde Elmstein in alten Bildern. Geiger-Verlag, Horb am Neckar 2006, ISBN 3-86595-096-5, S. 47.
  10. Haus-und Hofflohmarkt in Elmstein. In: elmstein.de. 3. Juni 2023, abgerufen am 20. September 2025.
  11. Geschichte eines Kulturdenkmals. Das ehemalige Kurfürstliche Jagdhaus ein Stück Elmsteiner Geschichte (Memento vom 9. Dezember 2021 im Internet Archive)
  12. Die Mitarbeiter von Grotta azzurra heißen Sie herzlich Willkommen! (Memento vom 23. Juni 2019 im Internet Archive)
  13. Dr. med. Gisela Scheriau. Privatpraxis, Elmstein. In: medikamendo.de. 3. Juni 2023, abgerufen am 20. September 2025.
  14. Felsenkönig Audiotour Infotafel 5. In: pfalz.de. 25. September 2025, abgerufen am 25. September 2025.
  15. Wald, Holz, Stolz: mit dem Felsenkönig durch Elmsteiner Geschichte. In: elmstein.de. 20. März 2022, abgerufen am 23. September 2025.
  16. Audio «Felsenkönig». In: wald-holz-stolz.de. 23. September 2022, abgerufen am 23. September 2025.