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Margarethe Stitz

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Margarethe Stitz, genannt Stitze Männ, (* 25. März 1865 in Beuel; † 28. Juni 1949 ebenda) war eine deutsche Schifferin und Karnevalistin.

Margarethe Stitz wurde am 25. März 1865 in Beuel geboren. Als ihr jüngerer Bruder mit acht Jahren starb, versuchte sie seine Position zu ersetzen und verkündete ihrem Vater um 1875: „Papa, ich bin jetzt dinge Männ.“ „Männ“ war zuvor der Spitzname ihres Bruders gewesen. Sie übernahm so im Alter von zehn Jahren die Rolle ihres Bruders und ruderte allein ihren Nachen über den Rhein. Kurze Zeit später hatte sie ein großes Boot, mit dem sie Wäscherinnen beförderte. Dabei entwickelte sie die entsprechende Körperkraft und Erscheinung. Als sie vierzehn Jahre alt war, fing sie um 1880 an, als Hausdame bei begüterten Familien außerhalb Beuels zu arbeiten. Danach war sie ab 1885 als Handelsvertreterin für ein Textilunternehmen tätig. Dabei reiste sie bis ins Dürener Land. Sie wurde später als „stets sehr elegant gekleidete aristokratisch vornehm wirkende Dame“ beschrieben, die sich in ihrem Beruf behaupten konnte.[1][2][3]

Sie engagierte sich in der Beueler Weiberfastnacht und trat 1897 in das 1824 gegründete Alte Beueler Damenkomitee ein. Sie wurde dabei beschrieben als „eine Persönlichkeit, die alles, was der Karneval bisher geboten hatte, in den Schatten stellte“. Stitz war etwa ab 1900 eine der Hauptfiguren der Fastnachtsspiele und gestaltete die Damensitzungen und Aufführungen. Es ging bei den Fastnachtsspielen darum, den Mann von seiner hässlichen Seite zu zeigen und vorzuführen. So wurde er als mürrischer Haustyrann, Säufer, Sünder, Feigling oder Aufschneider vorgeführt und dem Spott der Frauen ausgesetzt. Dabei zeigte sich die außerordentliche Spielfreude von Stitz. Als „Stitze Männ“ verhalf sie der Beueler Weiberfastnacht im rheinischen Karneval zum Durchbruch. Dabei setzte sie sich mit ihrem Humor für die Würde und Gleichberechtigung der Frauen ein.[2] Ihre schauspielerischen und komödiantischen Fähigkeiten fanden große Anerkennung und sie verkörperte in Hosenrollen vor allem Männerfiguren. Dabei schrieb sie die Stücke zumeist selbst.[1][3] Über Stitze Männ wurde gesagt, sie sei divers gewesen, bevor es das Wort gab.[4]

Ihren letzten Auftritt hatte sie 1933.[1]

Der Beueler Schiffer-Verein, bei dem nur Männer Mitglied werden durften, nahm am 17. Mai 1936 Margarethe Stitz als Ehrenmitglied auf. Im Protokoll der Sitzung wurde festgehalten, dass neben dem Käpt’n, den Schifferbrüdern und Schifferfrauen auch eine „Schiffermutter“ zum Schiffer-Verein gehöre. Auch im hohen Alter war der „Stitze Männ“ bei seinen Schifferkameraden beliebt, auch für die Erzählungen aus dem alten Beuel.[2][5]

Am 28. Juni 1949 starb Margarethe Stitz in Beuel.[1]

  • 1936 als erste Frau Ehrenmitglied im Schifferverein
  • 2025 wurde ihr ein FrauenOrt NRW gewidmet.

Einzelnachweise

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  1. a b c d FrauenOrte NRW: Margarethe Stitz. In: frauenorte-nrw.de. 1865, abgerufen am 18. September 2025.
  2. a b c General-Anzeiger Bonn: Stitze Männ Margarethe Stitz: Spiel mit Geschlechterrollen. In: ga.de. General-Anzeiger Bonn, 2024, abgerufen am 18. September 2025.
  3. a b Sebastian Flick: Pionierin des Beueler Karnevals. Wer war der „Stitze Männ“? In: ga.de. General-Anzeiger Bonn, 27. August 2025, abgerufen am 18. September 2025.
  4. Divers bevor es das Wort gab: Margarethe Stitz aus Beuel. In: wdr.de. WDR Nachrichten, 2025, abgerufen am 18. September 2025.
  5. Zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg. In: schifferverein-bonn-beuel.de. Abgerufen am 18. September 2025.